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FRANKREICH will es wissen... und strauchelt im 1. Anlauf

Nachbericht von Manuel

Nachdem Frankreich in den letzten Jahren immer durch gute Beiträge auf sich aufmerksam machte und 2016 und 2018 sogar zu den großen Favoriten für den Sieg beim ESC gehandelt wurden, will es Frankreich nun wohl endgültig wissen und präsentierte vor einigen Tagen bereits erste Schnipsel ihrer Vorentscheidungsbeiträge. Viele Fans jubilierten und fanden schnell ihre Favoriten.

Nun fand gestern das erste und heiß erwartete Halbfinale statt und wirbelte so einiges durcheinander...

 

Destination Eurovision, die französische Vorentscheidung die so im letzten Jahr zum ersten mal stattgefunden hat, flimmerte gestern über die französischen Bildschirme. Diesmal live, diesmal mit größerem Augenemerk auf die einzelnen Performances.

 

Die großen Fanfavoriten in diesem Halbfinale waren eindeutig Bilal Hassani, Florina und für viele auch die opernhafte Darbietung von Battista Acquaviva. Größere Bekanntheit besitzt in Frankreich zudem Chimène Badi, für den männlichen Schnuckelalarm sollten die beiden Jungs von Lautner sorgen.

 

Wie bereits im Vorjahr sitzt Christophe Willem in der Jury. Neuzugänge sind der Sänger André Manoukian und die Sängerin Vitaa.

Und wieder einmal sangen alle Künstler vorweg eine Coverversion.

Startplatz 1: Naestro "Le brasier"

Den Anfang machte Naestro, der gleich zu Beginn mit seiner Darbietung von Ed Sheerans "Perfect" für erste Gänsehautmomente sorgte, als er für die 2. Strophe auf einmal seine Opernstimme hervorkramte.

 

Sein Titel "Le brasier" wurde für die Liveshow im Gegensatz zur digitalen Version verändert und began lediglich mit einer Klavierbegleitung, um dann nach gut einer Minute mit kompletter instrumentaler Begleitung alles aus dem Titel herauszuholen versuchte.

 

Stimmlich recht sicher, war das insgesamt ein guter Auftakt und fast hätte man ihm einen späteren Startplatz gewünscht.

 

Von mir 7/10 Punkte



Startplatz 2: Florina "In the shadow"

Direkt als zweite trat dann die von vielen zum Favoriten auserkorene Florina auf. Als Coverversion suchte Sie sich Edith Piafs "Hymne à L´amour" aus, dass Sie noch relativ sicher vortrug.

 

Das jedoch kann man von dem Titel "In the shadow" leider nicht behaupten: Schon in der ersten Strophe wirkte Sie unsicher, der Refrain, der digital eigentlich an Sia erinnert, war dünn und wackelig, man leidete richtig mit ihr und hoffte das Lied sei schnell zu ende, als Sie nach 2 1/2 Minuten noch zum verzweifelten Schreien ansetzte... 

 

Favoritensturz Nr. 1.

Von mir 2/10 Punkte (und das auch nur wegen des Liedes)



Startplatz 3: Chimène Badi "Là Haute"

Nun sollte also die erfahrene Chimène Badi helfen und die Show wieder ins richtige Licht rücken: Und das tat sie bereits mit Ihrer stimmlichen Darbietung zu Edith Piafs "Je ne regrette rien".

 

Ihr Radioliedchen "Là Haute" präsentierte Sie in einer Box stehend, die Seitenwände wurden farbig angestrahlt, so dass es teilweise wirkte, als schwebe sie im Weltall. Und irgendwie schaffte Sie es mit dem Auftritt und ihrer kraftvollen Stimme "Lá Haute" doch ein wenig zum Leben zu erwecken.

 

Viel Applaus. So macht man das!

Von mir ebenfalls 7/10 Punkte.



Startplatz 4: Battista Acquaviva "Passio"

Nun war man also wieder im Soll, denn was sollte stimmlich schon bei einer operhaften Darbietung schiefgehen? ... So einiges...

 

Battista Acquaviva inszenierte sich bei Ihrem "Passio" in einem Traum aus weiß, und reckte divalike einen durchsichtigen, bestickten Stoff mit beiden Händen in die Höhe, den Sie beim einsetzen des ersten Beats ziemlich ungalant herunterfallen ließ. Doch was dann weiter folgen sollte ist an Trash nicht zu überbieten: 4 halbnackte Tänzer reckelten sich stehend auf 2 Treppen herum, während Battista erfolglos die gesamten 3 Minuten Ihres Beitrages Ihre Stimme suchte und dabei versuchte lasziv in die Kamera zu schauen...

 

Favoritensturz Nr. 2.

Von mir 1/10 Punkte.



Startplatz 5: Silvàn Areg "Le Petit Nicolas"

Silvàn Areg, der im Vorfeld von den eingefleischten ESC-Fans aufgrund des zirkusartigen Arrangements seines "Le Petit Nicolas" verschmäht wurde, hatte nun leichtes Spiel:

Denn immerhin konnte er die Töne seines Liedes treffen - was allerdings auch nicht so schwer war, da die Strophen eher gesprochen als gesungen werden und sein Refrain sich textlich wiederholend wenig stimmliche Qualiäten von ihm abverlangte.

 

Ein cleveres Bühnenbild tat sein übriges und das Finale schien für Silvàn Areg zu diesem Zeitpunkt doch möglich.

 

Von mir 5/10 Punkte



Startplatz 6: Bilal Hassani "Roi"

Und dann also der große Favorit dieses Halbfinals Bilal Hassani.

Vorweg sang er "Carmen" von Stromae. Kreischalarm im Publikum, als er erste Tanzbewegungen zeigte.

 

Das von Madame Monsieur mitgeschriebene "Roi" beginnt ruhig. Bilal steht im Publikum, geht zur Bühne, wirkt aber stimmlich etwas nervös. Im Refain unterstützen ihn 4 Tänzerinnen, anfangs wirkt das aber auch noch nicht überzeugend, bis sie alle zusammen gleiche Bewegungen machen und sie Bilal schließlich zum Ende des Refrains mit Händen eine Krone formen.

 

Bilal umweht die seltene Aura des Besonderen (und das nicht nur wegen seines androgynen Äußeren). Eine Mischung aus Unnahbarkeit, aber ebenso tiefer Dankbarkeit. Ich wurde das Gefühl nicht los, hier einen kommenden Star zu sehen, auch wenn am Auftritt und an der stimmlichen Leistung sicher noch ein bisschen zu arbeiten ist.

 

Von mir 7/10 Punkte.



Startplatz 7: Aysat "Comme une Grande"

Aysat versemmlte gleich mal ihre Coverversion von Abbas "Dancing Queen", hatte aber mit ihrem Titel "Comme une Grande" den wahrscheinlich ungewöhnlichsten und rhythmisch modernsten Song dabei.

 

Begleitet von 4 rot gekleideten Tänzerinnen, war Aysat leider in den instrumental treibenden Strophen "etwas schwach auf der Brust", im Refrain zerfließen das Instrumental, die Beats, der Backgroundgesang und Ihre Stimme zu einem merkwürdigen Brei - und bevor man sich versieht wird das Lied auch schon wieder ausgeblendet und lässt einen etwas ratlos zurück.

 

Irgendwie will man es mögen, der große Funken mag aber auch nicht überspringen...

 

Von mir 5/10 Punkte.



Startplatz 8: Lautner "J´ai pas le temps"

Schuckelalarm bei Destination Eurovision: Lautner betreten aufgeregt die heimische ESC-Bühne und singen eine ruhige Version von Amirs "J´ai cherché". Das ist stimmlich nicht das gelbe vom Ei, aber doch irgendwie sehr sympathisch.

 

Ihr Titel "J´ai pas le temps" beginnt anders als in der digitalen Version mit einem Streichersolo. Hinter den beiden ist eine Halfpipe aufgebaut , auf der die Grafiken von Robin Bengtsson (Schweden 2017) recyclt werden. Warum? Keine Ahnung... Irgendwas muss man ja machen...

 

Die beiden scheinen sehr nervös, tanzen umeinander herum, der Refrain geht nach vorn, ist catchy. Stimmlich ist auch das lediglich ausreichend, ob das was für die große Bühne ist wage ich zu bezweifeln.

 

Von mir 4/10 Punkte.



Startplatz 9: Mazy "Ohlala"

Der letzte Startplatz im 1. Halbfinale geht an Mazy.

 

Mit Tattoo am Hals, komischer Frisur und blonder Strähne steigt Sie für ihr dünnes "Oulala" auf eine große Pink angestrahlte Box.

Interessante Beats im Refrain, ausbaufähige Tanzbewegungen in Einklang mit farblichen Grafiken im Hintergrund und vor allem eine stimmliche sichere Performance lassen aber aufhorchen. Im Refrain sieht man im Hintergrund und auf der Box die Worte "Ou La La".

Im Zwischenteil setzt sich Mazy schließlich auf eine Cajon-Box und schlägt sie im Takt.

 

Ein solider und entspannter Auftritt.

Von mir 5/10 Punkte.



Alle Starter sind gesehen, vieles hat enttäuscht, anderes überrascht.

Ich persönlich empfinde Naestro, Chimène, Silvàn und definitiv Bilal in der nächsten Runde. Kann aber auch mit Aysat, Lautner und Mazy als nette Lückenfüller leben.

 

Nach gefühlten 100 Schnelldurchläufen und einer Performance der Jurymitglieder Christophe Willem und André Manoukian, darf dann die internationale Jury ihre Votings abgeben. Diese sehen Bilal klar vorne, an zweiter Stelle Silvàn, dann Aysat und Lautner. Ganz hinten die schwachen Darbietungen von Battista (2 Punkte) und Florina (0 Punkte).

 

Doch das Televoting wirbelt diese Liste noch ein bisschen durcheinander:

Wir sehen also Bilal (115 Punkte), Chimène (66 Punkte), Silvàn (59 Punkte) und Aysat (40 Punkte) im Finale am 26. Januar wieder.

Seid ihr zufrieden und glaubt ihr das ist die richtige Wahl für das Finale?