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Vision 12: 15. Tschechien

TSCHECHIEN

Pokáč  

"V lese"

 

Der 29-jährige Pokáč, bürgerlicher Name Jan Pokorný, ist momentan einer der erfolgreichsten tschechischer Songwriter und Texter. Er spielt meist auf seiner Gitarre oder Okulele und ist einer der ersten tschechischen Künstler, der seine Musik über YouTube bekannt machte.

 

Pokáč wurde als Texter des Sängers Voxel bekannt mit dem er zwei Alben zusammen geschrieben hat. 2017 veröffentlichte er sein Debütalbum "Vlasy", das den Zlatà Desk (Golden Plate Award) gewann. 2018 begann er, Songs für die Fußballmannschaft des AC Sparta Prag zu schreiben, von denen er ein langjähriger Fan ist.

 

In diesem Jahr folgte auch schon sein sehr erfolgreiches Folgealbum "Úplně levej" auf dem neben dem Hit "V lese" unter anderem auch "Hrdinský čin", ein Titel den er zusammen mit Jakub Ondra (tschechischer Vorentscheid 2019) aufnahm, zu finden ist. Seine derzeitige Tour umfasst stolze 70 Konzerte in Tschechien.

 

In seine oft ironischen, sarkastischen und übertriebenen Liedern beschäftigt er sich meist mit Themen des normalen Alltags.

Pokáč & Jakub Ondra


Das süße Musikvideo zum ironischem "V lese"

Anders als man anhand seines Sounds und seines Musikvideos meinen könnte, singt Pokáč in seinem folkloristischem Popsong "V lese" ("Im Wald") davon, wie langweilig er seinen Ausflug im Wald empfand, während alle so sehr davon begeistert sind.

 

"Heute sagt jeder und überall heißt es, dass es modern und gesund ist, im Wald spazieren zu gehen. Und ich denke, es muss etwas an diesem Mist sein, wenn gar Justin Timberlake auf seinem Album davon singt. Ich war heute im Wald und ich gehe nicht mehr dorthin. Nirgendwo habe ich so grausame Langeweile erlebt."


Pokáč beim ESC?

Ob sich Pokáč's eher komödiantische Texte für den ESC eignen?

Es wäre sicher einmal wieder toll nach 2007 die tschechische Sprache beim Eurovision Song Contest zu hören. Ob das nun aber mit Pokáč passieren wird wagen wir zu bezweifeln. Zu wichtig erscheinen seine Texte um den vollen Reiz seines musikalischen Schaffens zu begreifen.

 

Andererseits ist der ESC für tschechische Musiker eine fast einmalige Möglichkeit sich über die Landsgrenzen hinaus zu empfehlen.

 

Da Pokáč aber auch Texte für andere Musiker schreibt, wie z.B. der in Tschechien sehr bekannten Band Mirai, können wir uns eher vorstellen das er uns einmal als Songwriter beim ESC über den Weg läuft.


Tschechien beim ESC

Erstmals hatte die tschechische Fernsehstation ČT 2004 ihr Interesse an einer Teilnahme am 50. Eurovision Song Contest im Mai 2005 bekundet, 2007 machte Tschechien dann tatsächlich sein Debüt im Wettbewerb.

 

Kabát waren die ersten tschechischen Vertreter bei diesem Wettbewerb, erreichten aber nur Platz 28 im Halbfinale und damit den letzten Platz. Der einzige Punkt dazu kam aus Estland. Auch 2008 konnte sich Tereza Kerndlová für Tschechien mit einem 18. Platz ebenfalls nicht für das Finale qualifizieren. Die Band Gipsy.cz erreichte 2009 auch nur den letzten Platz im Halbfinale. Mit 0 Punkten holten sie Tschechiens bis heute schlechtestes Ergebnis im Wettbewerb. Nach diesen Misserfolgen zog sich Tschechien 2010 vom Wettbewerb zurück und nahm bis 2014 nicht mehr teil. Erst 2015 kehrte Tschechien zum Wettbewerb zurück.

 

Zur 60. Auflage des Eurovision Song Contest kündigte Tschechien seine Rückkehr zum ESC an. Auch 2015 konnte sich Tschechien aber nicht für das Finale qualifizieren. Marta Jandová und Václav Noid Bárta holten mit Platz 13 jedoch Tschechiens bis dahin bestes Ergebnis im Wettbewerb.

 

2016 erreichte Tschechien dann aber glücklicherweise zum ersten Mal das Finale des Eurovision Song Contests. Gabriela Gunčíková holte dort mit dem Titel "I stand" 41 Punkte und Platz 25. Nach diesem kleinen Erfolg nahm das Land auch 2017 teil, konnte sich aber mit der Jazzsängerin Martina Bárta nicht für das Finale qualifizieren.

 

2018 allerdings gelang Mikolas Josef mit dem Lied "Lie to me" als einer der Fanfavoriten der zweite Finaleinzug des Landes. Im Finale folgte mit Platz 6 dann Tschechiens erste Platzierung unter den besten Zehn. Damit holte Mikolas Josef die beste Platzierung des Landes bisher und mit 281 Punkten außerdem Tschechiens höchste Punktzahl im Wettbewerb. 2019 folgte die Band Lake Malawi im Finale mit 157 Punkten auf Platz 11, wobei nur 7 Punkte aus dem Televoting kamen. Es war das erste Mal, dass Tschechien sich zwei Mal in Folge für das Finale qualifizieren konnte.

 

Insgesamt landeten also nur zwei von den acht Beiträgen im Finale in der linken Tabellenhälfte. Außerdem verpasste das Land insgesamt fünfmal das Finale. Mit zwei letzten Plätzen und nur zwei guten Platzierungen gehört Tschechien zu den erfolgloseren Ländern im Wettbewerb.

Unsere Tipps, Hinweise und Hoffnungen für den ESC

Das man mit dem ESC auch ohne Gewinn seine eigene Karriere ankurbeln kann, zeigt momentan wohl kaum jemand so gut wie Mikolas Josef, der 2018 das beste Ergebnis für Tschechien beim ESC erreichte. Seitdem erreichen seine Songs nicht nur in Tschechien große Beliebtheit.

Die schon angesprochenen Mirai sind eine der bekanntestens tschechischen Bands der letzten Jahre. Ihre Songs erreichen die Spitzenpositionen in den tschischen Charts, ihre Videos oft über 10 Millionen Views on YouTube. Ist es nur eine Frage der Zeit bis sie beim ESC dabei sind?

Auch Ben Christovao folgt dem von Mikolas Josef bereiteten R'n'B-Weg und schickt sich an, damit großen Erfolg zu haben. "Padam", das er letztes Jahr zusammen mit Mária Čírová veröffentlichte, wurde ein großer Hit, auch seine neue Single "Aleiaio" schafft es zum Sommerhit und hält sich lange in den Charts.


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