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Vision 12: 7. Österreich

ÖSTERREICH

Parov Stelar feat. Kovacs 

"Snake Charmer"

 

Parov Stelar, der 1974 in Linz, Oberösterreich, geboren wurde, ist ein österreichischer DJ und Produzent im Bereich Jazz, House, Electro und Pop. Er gehört zu den Pionieren des Electroswing.

 

Bereits 2001 tritt der damals 26-jährige Grafiker Marcus Füreder als Plasma seine ersten Auftritte am Mischpult an. Damals noch unter Vertrag bei Bushido Recordings, einem kleinen Elektro-Label in seiner österreichischen Heimat Linz, gelang er mit der LP "Shadow Kingdom" noch zu eher mäßigem Erfolg. Zwei Jahre später gründete er unter neuem Pseudonym sein eigenes kleines Sub-Label Etage Noir: Parov Stelar war geboren. Schon im Folgejahr schaffte der auftrebende DJ mit dem exzessiven Hang zu Jazz, House und Downbeat mit der EP "KissKiss" den Durchbruch. Von da an sollte seine Glücksträhne nicht abreißen: Der österreichische Radiosender FM4 präsentiert 2004 sämtliche bis dahin unter seinem Label veröffentlichten Titel zunächst in der House-Sendung "High Spirits" und übernahm sie kurz darauf auch ins reguläre Tagesprogramm. 

 

Mit dieser Medienpräsenz wurden auch internationale Vertriebe auf ihn aufmerksam und brachten seine Musik, die inzwischen mit dem Swing der 50er und 60er Jahre ein festes Standbein gewonnen hatte, in der ganzen Welt. Es folgten ausverkaufte Konzerte (mit seiner Liveband) in ganz Europa sowie Istanbul und Mexiko-Stadt. 

 

2005 und 2006 erhält Parov Stelar eine Nominierung für den Amadeus Award, doch erst sechs Jahre später gewinnt er ihn tatsächlich in der Kategorie Electronic/Dance. Dies schafft er mit seinem bereits neunten Studioalbum "The Princess", mit dem er zudem in Deutschland und den Niederlanden in die Charts gelangt.

 

International bekannt wurde Parov Stelar auch durch die mit seiner Musik unterlegten Werbespots. Bei der Verbreitung seiner Musik spielt das Internet eine entscheidende Rolle. Die mit seiner Musik unterlegten Videoclips wurden bisher über 150 Millionen Mal aufgerufen.

 

Der Song "All Night" wurde im Mai 2017 in Italien mit Doppel-Platin für mehr als 100.000 verkaufte Einheiten ausgezeichnet. Auch in Deutschland mauserte sich "All Night" zu Bekanntheit, das Album "The Burning Spider" erreichte in Deutschland die offiziellen Verkaufscharts, in der Schweiz die Top 10 und in Österreich sogar Platz 1. 

 

Im Mai 2018 hat Parov Stelar mit dem Song „The Sun“ featuring Graham Candy zum ersten Mal die Spitze und Nr. 1 der amerikanischen iTunes Electronic Charts erreicht.


Ein Musikvideo steht zwar noch aus, aber auch das Lyricvideo lässt sich sehen.

Auch mit Parovs neuester Single "Snake Charmer", die er zusammen mit der niederländischen Erfolgssängerin Kovacs aufnahm, bleibt er seinem Musikgenre Electro-Swing treu. 

 

Textlich zwar relativ unrelevant aber nicht "unterirdisch" und musikalisch passend ("I think he hypnotized me, I feel I have to dance. And every time he plays it, he puts me in a trance"), fordert "Snake Charmer" ohne Umschweife sofort zum Tanzen auf und schafft es beim Hörer gute Laune samt Ohrwurm zu kreieren. 


Parov Stelar beim ESC?

Liveauftritt auf dem Southside Festival 2015 ("All night" ab 38:28 min.)

Bei Electroswing kommen Eurovision-Fans sicher erstmal schlimme Gedanken: Zu frisch und gruselig sind noch die Erinnerungen an Electro Velvet, die 2015 für die UK mit dem Beitrag "Still in love with you" gnadenlos und völlig zurecht scheiterten. Damals wurde der eh schon altbackene und sehr schleppende Titel oldfashioned und statisch inszeniert. Da halfen auch die beiden Tänzer und die Neonleuchten michts.

 

Und genau da kann das Problem beim Electroswing liegen: Da sich dabei am in die Jahre gekommenen Swing bedient wird, muss die elektronische Komponente unbedingt modern klingen. Hinzu noch die bekannte Schwierigkeit sich als DJ gut zu inszenieren und einen charismatischen und guten Sänger die Songs singen zu lassen - da muss schon jemand viel Erfahrung haben und wissen was er tut.

 

Trotz der "Gefahren" fänden wir jemanden wie Parov Stelar, der international für seinen Musikstil bekannt ist, für Österreich sehr spannend beim Eurovision Song Contest.


Österreich beim ESC

Die erste Teilnahme bestritt Österreich schon 1957, dem Fehlstart als letzter Platz folgten Plätze im (hinteren) Mittelfeld. 1964, 1965 und 1966 wurde der damals aufstrebende Udo Jürgens intern für den Wettbewerb ausgewählt, bis er im 3. Anlauf 1966 tatsächlich mit dem heutigen Evergreen "Merci, Cheri" gewann. Insgesamt landete Österreich 8 mal auf den letzten Platz und wartet bis heute vergebens auf einen 2. Platz. Mit Einführung der Halbfinale konnte bis 2013 nur einmal das Finale erreicht werden.

 

2014 entschied sich der ausführende Sender ORF intern für die umstrittene Kunstfigur Conchita Wurst, mit der der Sender hoffte zumindest mal wieder das Finale zu erreichen. Der Rest ist Geschichte, Conchita schaffte es mit der emotionalem Hymne "Rise like a phoenix" im James Bond-Stil mit Vollbart und eng geschnürtem Kleid nicht nur die schwulen Fans von sich und ihrer Message für Repekt zu begeistern. Auch wenn sich einige Länder empört über den Auftritt zeigten (die Türkei übrigens noch heute den Auftritt als einen Grund nicht mehr teilzunehmen nennt), Punkte bekam Sie von fast überall und siegte souverän vor den Niederlande, die im Nachgang des Wettbewerbes mit ihrem Titel einen europaweiten Hit hatten.

 

Im Folgejahr automatisch im Finale, teilte sich das Land mit uns dann allerdings mit 0 Punkten den letzten Platz. 2016 und 2017 konnte immerhin jeweils ein Platz im Mittelfeld im Finale erreicht werden, 2018 erreichte Cesar Sampson völlig überraschend und dank der Jurys einen tollen 3. Platz (und damit die bisher 3. beste Platzierung überhaupt für Österreich). Im letzten Jahr war dann allerdings für die intern ausgewählte Paenda im Halbfinale als Vorletzte Schluss.

Und sonst so?

Die Charts in Österreich sind sehr ähnlich zu unseren, beinhalten dabei aber etwas weniger Deutsch-Rap.

Ebefalls ähnlich zu unseren ehemaligen Teilnehmern, werden die ehemaligen Teilnehmer Österreichs nicht besonders gewürdigt. Udo Jürgens wurde natürlich zur Legende, und Conchita Wurst wird weiterhin verehrt und ist auch recht viel im TV zu sehen. Weitere Teilnehmer kämpfen aber ständig um Aufmerksamkeit.

Unsere Tipps, Hinweise und Hoffnungen für den ESC

Bilderbuch beherrschen neben Wanda seit Jahren die heimische Alternative/Independent-Musikszene und sind beide nicht nur in Österreich gern gesehene Festival-Dauergäste. 2017 gelangten Sie mit "Bungalow" auch in höhere Regionen der deutschen Charts.

Wenn es so etwas wie melancholische Tanzmusik gibt, dann dürften das österreichische Duo HVOB dafür die Vorreiter sein. Seit 2012 veröffentlichen die beiden ihre Musik und konnten sich seitdem schon viele Fans, hochlobende Kritiker und ausverkaufte Konzerte erspielen.

Die von Thomas Wirth erschaffene Kunstfigur Conchita Wurst, die eindrucksvoll den 59. Eurovision Song Contest gewann und seitdem von vielen ESC-Fans verehrt wird, hat in diesem Jahr einen radikalen musikalischen, aber auch optischen Schritt gewagt und tritt nun als zwei getrennte Kunstfiguren Conchita und WURST auf.


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