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Vision 12: 9. Norwegen

NORWEGEN

Aurora

"Animal"

eingereicht von Jannik

  

Wem gehört eigentlich die zauberhafte Stimme im Vodafone-Spot, die vom gemeinsamen Rennen mit Wölfen singt? Das fragt man sich Anfang 2015, als der TV-Spot der neuen Kampagne des Telekom-Konzerns über die Bildschirme flimmert. Aurora (Aksnes) nennt sich die Sängerin des Kampagnensongs "Running With The Wolves".

 


Im Alter von 13 Jahren entdeckt sie das Songwriting für sich, fünf Jahre später nennt die in Stavanger geborene Aurora schon ein beachtliches Repertoire an Songs ihr Eigen. Die Musikwelt bekommt jedoch nur wenige davon zu hören. Im Zuge des enormen Erfolgs mit "Running With The Wolves" veröffentlicht sie im Mai 2015 eine gleichnamige EP. Obwohl Aurora die Musik ganz alleine für sich entdeckt, sich das Klavierspielen selbst beibringt und niemals eine Karriere als Sängerin in Erwägung zieht, ermutigt die Mutter sie, ihre Songs vor Publikum zu spielen. Das kann sehr beängstigend sein, verrät sie in einem Innterview: "Meine Kunst ist sehr persönlich. Oft schreibe ich Songs einfach nur für mich selbst, und dann fühlt es sich komisch an, diese mit vielen Leuten zu teilen."

 

Die Verbundenheit mit der Natur wurde ihr quasi von klein auf mit auf den Weg gegeben, was sich wiederum in ihren Texten und elektronischen Klangfarben widerspiegelt. Dabei ist die zarte junge Frau – klassisch skandinavisch - großer Fan von Heavy Metal. Bob Dylan oder Leonard Cohen hingegen nennt sie als Vorbilder. Ihrer Musik merkt man das nicht wirklich an: Hier treffen pulsierende Beats auf Synthie-Elemente in poppigen Arrangements. Aurora weckt mit ihrem teils zarten, teils kraftvollen Gesang die Vorstellung von norwegischen Wäldern, Fjorden und Naturschauspielen zum Leben. Das passt zu ihrer elfenhaften Aura, dem blassen Teint und dem flachsblonden Haar. Die New York Times bezeichnet sie als "bemerkenswertesten Newcomer", nachdem sie beim CMJ Music Marathon im Oktober 2014 ein internationales Publikum begeistert und Universal Music nimmt sie auch gleich unter Vertrag. Für Aurora dennoch kein Grund, abzuheben.

 

Am 28. September 2018 veröffentlichte sie ihr zweites Studioalbum "Infections of a Different Kind – Step 1". Am 24. Januar 2019 die Single "Animal", die sie bereits vor der Veröffentlichung in Konzerten gespielt hatte. Am 5. April 2019 veröffentlichte sie die zweite Single "The Seed" ihres kommenden dritten Studioalbums "A Different Kind of Human - Step 2". Mit "The River" folgte am 10. Mai schließlich die bisher letzte Single des neuen Albums, welches sie kurz darauf, am 7. Juni 2019 veröffentlichte.

 

Sie ist auch als Songwriter für andere Künstler tätig. So findet sich beispielsweise mit "In the Light" ein Lied aus ihrer Feder auf dem 2015 veröffentlichten Album "Crystal Sky" von Lena. Zudem lieh sie den Chemical Brothers ihre Stimme für ein paar Tracks für deren neues Album "No Geography".

Das Musikvideo zu "Animal" enthält einige versteckte Symbole um ihre Botschaft zu verdeutlichen.

Aurora setzte sich in "Animal" mit dem tierischen Anteil in uns Menschen auseinander.

 

Sie selbst sagt über ihren neuen Song: „Ich habe eine Menge Zeit damit verbracht, über Menschen nachzudenken. Und ich wollte einen Song schreiben, der in die Decke des Vergessens gehüllt ist, während er gleichzeitig die wundervolle und schreckliche Wahrheit spricht, die ich in uns sehe. Wir sind immer hinter irgendetwas her, sei es Liebe, Geld, Sex, Erfolg, Macht oder einfach ein besonders großes Stück des Kuchens. Das ist sehr interessant. Es ist grotesk. Und schön. Wir sind immer auf der Jagd nach etwas. Wir sind Tiere, die Tiere jagen“.

 

Der Käfig, in dem Aurora anfangs gefangen ist, symbolisiert alles was die animalische Seite in ihr gefangen hält, der Druck einer Gesellschaft, die metaphorisch versucht, sie zurückzuhalten und in einen Käfig zu sperren. Nachdem sie sich befreit, kann Sie sich zu ihrem animalischen "Ich" verwandeln. Sie tanzt und genießt ihre Freiheit, bemerkt zum Ende des ersten Refrains, wie die Isolation sie hungrig gemacht hat. Am Ende findet Sie einen Ort, an dem sie sich mit anderen ihrem animalischem Ich hingeben kann.

 

"I keep the memories alive" - Aurora versucht, das Tier in uns am Leben zu erhalten, das die ganze Zeit dort war. Während andere versuchen, es zu vertuschen, akzeptiert sie es als Teil des Menschseins und hält die Erinnerungen, die dazu gehören, am Leben.


Aurora beim ESC?

Liveversionen ihres Hits "The Seed" und "Lucky" aus ihrem ersten Album.

Die 23-jährige Aurora ist eine besondere Musikerin, die wohl bei jedem eine Reaktion auslöst: Entweder lässt man sich von ihr gefangennehmen oder man empfindet Sie als komisch oder gar abstoßend. Beim Eurovision Song Contest kann genau diese Konstellation Gold wert sein.

 

Ihr Stimme sucht ihres gleichen: Fast elfenhaft, wie aus einer andferen Welt, gleitet Sie durch ihre Lieder. Ihre Bewegungen sind ausschweifend, wirken, als würde Sie jede Faser der Musik aufsaugen und durch ihre Armbewegungen an das Publikum zurückgeben.

 

Auch in Interviews wirkt Aurora ungewöhnlich. Mit großen Augen scheint sie jedes Wort aufzunehmen, in ihren Antworten wirkt sie überlegt, manchmal abwesend. Redet über das was sie bewegt, strahlt, ist emotional. Sie wirkt zerbrechlich und naiv und scheint doch genau zu wissen was sie will und dies auch zu tun.

 

Und gerade wenn man bemerkt, wie verloren sich wohl Aurora im Eurovision-Zirkus fühlen würde, wird man das Gefühl nicht los, dass sie dieses Wagnis einmal eingehen würde, sofern sie damit eine klare Botschaft verbinden kann, wie beispielsweise mit ihrem neuen Hit "The Seed", das, ebenso wie die neue Single von Lilly among Clouds, auf die Zerstörung der Erde hinweist. "When the last tree has fallen and the rivers are poisoned: You cannot eat money"


NORWEGEN beim ESC

Norwegen, das seit 1960 mit kleinen Unterbrechungen am Eurovision Song Contest teilnimmt, galt lange als eines der erfolglosesten Länder im Wettbewerb, bis 1985 auf einmal das Duo Bobbysocks mit ihrem Lied "La det swinge" recht überraschend den Contest gewann.In den 90ern bestimmte Irland den ESC wie kein anderes Land, was die Norweger 1995 clever nutzen zu wussten. Die instrumentalorientierte Gruppe mit der irischen Geigerin Fionnuala Sherry Secret Garden gewann den Contest mit ihrem Lied "Nocturne", das wohl irischer nicht klingen konnte. Auch beim Contest im heimischen Oslo konnte 1996 ein toller zweiter Platz mit "I evighet" von der viermaligen Teilnehmerin Elisabeth Andreasson erreicht werden.

 

Im neuen Jahrtausend glichen die Platzierungen beim ESC einer Achterfahrt: 2 letzte Plätze, 2 mal erreichte das Land die besten 5, bis 2009 der Violonist und Sänger mit "Fairytale" einen erdrutschartigen Sieg errang: 387 Punkte, insgesamt 16 mal die Höchstpunktzahl bedeuteten am Ende einen Vorsprung von 169 Punkten vor der Zweitplatzierten Yohanna aus Island. Während Norwegen 2011 und 2016 nicht das Finale erreichte, konnte man 2013, 2014, 2015, 2017 und 2019 jeweils die besten zehn Plätze erreichen. 2019 konnte sogar mit "Spirit in the sky" das Televoting gewonnen werden.

Unsere Tipps, Hinweise und Hoffnungen für den ESC

Seit Ende 2017 ist sie aus keinen Charts mehr wegzudenken: Die 22-jährige Sigrid, die ihren ersten Hit mit "Don't kill my vibe" hatte, wurde wie keine andere mit Newcomer und Verkaufs-Awards überhäuft und wird sogar schon als neue "Lorde" gehandelt. 

Kakkmaddafakka ist eine norwegische Indie-Pop-Band, die 2004 in Bergen gegründet wurde. Der Musikstil der besonders als Liveband überzeugenden Band ist eine Mischung aus Rock, Rap, Disco und Pop. In diesem Jahr erschien ihr 6. Album, aus dem auch "Frequency" stammt. 

Seit seinem Debüt 2014 liefert Kygo einen Hit nach dem anderen und gehört weltweit zu den momentan erfolgreichsten und angesagtesten DJs. Momentan ist er mit einem Remix zu Whitney Houstons "Higher Love" in sämtlichen Charts, "Not ok" ist seine eigene neue Single.


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