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Vision 12: 6. Irland

IRLAND

Dermot Kennedy 

"Lost"

 

Es gibt sie, die Stimmen, die einem ins Mark gehen, weil Sie jedes Wort das sie singen zu fühlen scheinen.

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf namens Rathcoole, in der Nähe von Dublin, bringt Dermot Kennedy sowohl typische irische Klänge, als auch elektronische zeitgenössische Beats in seiner Musik zum Ausdruck. Nach dem Beginn mit Singer-Songwriter-Musik mit Akustik-Gitarre, sind seine späteren Veröffentlichungen auch von der Hip-Hop-Szene geprägt. So verwendet er Gitarren- und Klavier-Patterns mit Trap- und elektronischen Arrangements. Kennedys Stimme erinnert an andere Singer-Songwriter wie Rag ’n’ Bone Man und Welshly Arms, sie ist dabei jedoch weicher und emotionaler. 

 

Bereits mit 10 Jahren lernte er Gitarre, begann aber erst mit 17 Jahren die Musik ernst zu nehmen. Seine Eltern unterstützten ihn in seinem Wunsch eine musikalische Karriere zu starten und fuhren ihn zu Auftritten in Dublin und Umgebung. Er gewann einen Songwritercontest in Dublin, der ihn in der Underground-Szene der Stadt bekannt machte und durfte für Glen Hansard auftreten. 

 

Seine erste Single "After Rain" erscheint 2016 und kann bereits jetzt über 50 Millionen Streams auf Spotify verbuchen. 2017 folgt seine erste EP "Doves & Ravens", auf der er erstmals auch Hip Hop- und R'n'B-Elemente zeigt. Im gleichen Jahr und 2018 tourte er zudem durch die Vereinigten Staaten, Australien und Europa. 

 

2019 gelangte seine Single "Power Over Me" in die deutschen, österreichischen, schweizerischen und irischen Charts und auf Heavy Rotation auf vielen Radiosendern. Zeitgleich veröffentlichte er eine selbstbetitelte Kompilation seiner bisher veröffentlichten Songs. 

Dermot Kennedys emotionale "Lost" überzeugt auch als Musikvideo.

Am liebsten thematisiert Dermot Kennedy zwei Extreme in seinen Tracks - Licht und Dunkel, Liebe und Verlust, Leben und Tod, Glück und Leid. "If only you could see yourself in my eyes, you'd see you shine, you shine. I know you'd never leave me behind, but I am lost this time."

 

 

Seine Texte sind auch immer ein bisschen poetisch: "I could've told you 'bout the long nights. How no one loves the birds that don't rise. So you can tell the heroes go hide...". Und gerade in Momenten, in denen seine Stimme emotional ausbricht und Dermot voller Inbrunst singt, ja fast schreit, meint man die Klasse und Echtheit eines "Glen Hensard" zu spüren.


Dermot Kennedy beim ESC?

Dermot Kennedy im März in der The Ellen-Show. Ein Ritterschlag für jeden Musiker.

Musiker wie Dermot Kennedy, die mit handgemachter Musik sich jahrelang in kleineren Clubs ihre Fans erspielten, treibt es naturgemäß selten zum lauten, bunten Eurovision Song Contest. Der Contest krankt in vielen Ländern daran, dass er als große (oft kurioser) Show mit unrelevanter Musik gilt. Die Musik an sich scheint oftmals nur in einer Bubble zu existieren und Gehör zu finden. Selbst wenn einmal ein Beitrag auch außerhalb der eigenen Ländergrenzen zu Erfolg gelangt, ändert es wenig am Empfinden dem Song Contest gegenüber.

 

Dabei gibt es schon einige Beispiele von Musikern, die mit Dermot Kennedy vergleichbar wären - auch wenn Sie anfangs von den ESC-Fans oft nicht wahrgenommen werden. Der belgische Tom Dice ("Me and my Guitar") schaffte 2010 einen bemerkenswerten 6. Platz, Salvador Sobral wirkte 2017 zwar irgendwie fremd im Wettbewerb, konnte aber einen grandiosen Sieg erlangen. Auch Michael Schulte kann man in dieser Kategorie nennen, einen Musiker, der sich nur mit einer Gitarre auf die Bühne stellen kann und begeistert.  


Irland beim ESC

Ja, Irland ist das Land, das mit 7 Siegen am häufigsten den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Der letzte Sieg liegt allerdings nun auch schon 23 Jahre zurück, schlimmer noch - in den letzten 6 Jahren konnte lediglich ein einziges mal überhaupt das Finale erreicht werden (2018).

 

1965 nahm Irland das erste mal teil. Nach einem 2. Platz 1967 konnte schon 1970 ein Sieg errungen werden: "All Kinds of everything" von Dana entwickelte sich auch nach dem Contest zu einem großen europäischen Hit. 10 Jahre später betrat Johnny Logan mit "Whats another Year" zum ersten mal die ESC-Bühne und schaffte es, der Favoritin Katja Ebstein den Sieg streitig zu machen. 1984 erreichte er mit "Terminal 3" als Komponist den 2. Platz, bevor er es 1987 mit dem selbstgeschriebenen "Hold me now" noch einmal selbst probierte: Wieder schnappte er Deutschland den Sieg vor der Nase weg und hatte nach dem Contest einen europaweiten Hit mit seiner Ballade.

 

Die 90er können wohl als die irischen Jahre beim Eurovision Song Contest bezeichnet werden: 1990 Platz 2, 1992, 1993 und 1994 Platz 1. 1995 gewann zwar Secret Garden aus Norwegen mit dem Beitrag "Nocturne", der Beitrag (hauptsächlich instrumental) klang dabei aber so irisch, dass man diesen Sieg auch fast den Iren zuschreiben möchte. Rückblickend könnte man meinen Irland hätte 1996 Eimear Quinn mit dem folklorischen "The Voice" trotzig zum ESC geschickt - vielleicht versuchten Sie aber auch nur den weltweiten Erfolg von Riverdance (Intervall Act 1994) in 3 Minuten zu quetschen. Eimer gewann mit über 50 Punkten Vorsprung klar und ist bis heute die letzte irische Gewinnerin.

 

2002 schied man dank der schlechten Platzierung im Vorjahr zum ersten mal aus. 2005, 2008, 2009, 2014-2017 und 2019 blieb das stolze Land schon im Halbfinale hängen. Einziger Lichtblick in den letzten Jahren waren die hyperaktiven Zwillinge Jedward, die 2011 mit "Lipstick" einen respektablen 8. Platz erreichten. Dieses Erfolgserlebnis setzten sie aber schon im Folgejahr, als sie noch einmal antraten, buchstäblich ins Wasser.

Und sonst so?

Irland liebt seine und andere Singer-Songwriter. In fast jedem irischen Pub kann man diverse Musiker entdecken, die mit ihrer Gitarre bewaffnet durchs Land reisen. Dementsprechend findet - neben diversen musikalischen Einflüssen die aus dem vereinigten Königreich rüberschwappen - diese Musiksparte auch hohen Anklang in den irischen Charts. 

 

Unsere Tipps, Hinweise und Hoffnungen für den ESC

Glen Hansard gehört heute zweifelsohne zu den beliebtesten irischen Singer-Songwriter. Sein Markenzeichen ist der intensive Gesang, der auch schonmal als schreiben empfunden werden kann (siehe Video). Spätestens mit dem Soundtrack des Musik(er)filmes "Once" für den Glen Hansard 2008 auch einen Oscar bekam, ist er weltweit bekannt und seine Alben erreichen regelmäßig die Charts.

Auch Flynn kann ebenfalls der Singer-Songwriterszene zugesprochen werden. Auf seinem YouTube Kanal veröffentlicht er seine Lieder und Coversongs, wie beispielsweise den Titel "My Gold". Nun wurde der bekannte belgische DJ Lost Frequency auf ihn aufmerksam und veröffentlichte den Titel "Recognise" mit Flynn.

ROE ist ein 19-jähriger Multiinstrumentalist aus Derry (Irland), Roisin Donald. Mit ihrer einzigartigen Eigenmarke „Grumpy Electro-Pop“ empfahl sie sich für einen Auftritt auf der BBC Introducing-Bühne beim Glastonbury Festival 2017. Mit zwei Nominierungen für den Northern Ireland Music Prize 2018 ist ROE nun dabei an ihrem Durchbruch zu arbeiten.


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