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Vision 12: 1. Deutschland

DEUTSCHLAND

Sarah Connor

"Vincent"

Eingereicht von JÖRG

 

 

Egal wo überlegt wird, wer für Deutschland mal beim Eurovision Song Contest mitmachen soll: Sarah Connor ist immer eine der ersten MusikerInnen die genannt werden. Und das kommt nicht von ungefähr - ihre stimmliche Qualität ist selten. Dazu 5 Nummer-1-Hits in Deutschland, 3 Nummer-1-Alben, insgesamt über 7 Millionen verkaufte Tonträger machen sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Musiker der letzten 20 Jahre. 

 

Während sie am Anfang Ihrer Karriere mit ihren Balladen und Dance-Sounds durchaus auf eine internationale Karriere schielte ("Let's get back to bed, boy" und "Bounce" erreichten die britischen Top 20, "Bounce" schaffte es sogar bis auf Platz 54 der Amerikanischen Billboard Charts), singt sie nach einem kleinen Karriereknick seit 2015 komplett auf Deutsch und erfindet sich so im Grunde neu.

 

Ihr Album "Muttersprache" verkaufte sich über 1 Millionen mal und bekam allein in Deutschland 11-fach Gold, ihr vor kurzem veröffentlichtes Album "Herz Kraft Werke", dessen erste Single "Vincent" ist, steht in den Startlöchern es dem Vorgänger gleich zu machen.

 

Sarah Connor singt "Vincent" auf der Reeperbahn in Hamburg im Vorfeld des ESC 2019.

"Mama, ich glaub ich hab Fieber! ... Es ist nur Liebe, und da hilft keine Medizin"

An diese Worte kommt in diesem Jahr wohl niemand vorbei - und das obwohl es tatsächlich Radiosender gibt, die aufgrund der Textzeile "Vincent kriegt kein’ hoch, wenn er an Mädchen denkt" den Titel nicht spielen (wollen).

 

Sarah Connor zeigt sich unbeeindruckt von dieser Kritik - freut sich sogar, dass ihr Lied "Vincent" zu Diskussionen über das Thema Homosexualität anregt und bezeichnete gegenüber der taz "Vincent", das das Thema Liebe in der Pubertät mit besonderem Augenmerk auf Homosexualität behandelt, als ihr bisher wichtigstes Lied. 

 

Musikalisch schließt es direkt an den Musikstil des Vorgängeralbums an. Der Anfang beginnt ruhig, die Sprache ist umgangssprachlich und wirkt echt, eröffnet dem Hörer so schnell emotional mit in das Lied einzusteigen. Schon mit dem ersten Refrain und dem energisch gesungenem "Mama" nimmt das Lied fahrt auf, ein Backgroundchor unterstützt den eingängigen Refrain.


Sarah Connor beim ESC?

Liveauftritt von "Kommst du mit ihr", das wir uns 2016 sehr gut beim ESC hätten vorstellen können.

Auch wenn es sich viele wünschen, gehen wir davon aus Sarah Connor in den nächsten Jahren nicht beim ESC zu sehen. Sie hat ihren musikalischen Weg gefunden und wirkt momentan nicht so, als ob Sie sich einem solchen Konkurrenzkampf stellen möchte.

 

Wenn viele ihrer Lieder auch eingängig sind und ihre stimmliche Qualität allein schon für einige Punkte bei den Jurys gut sein dürfte, musikalisch gesehen dürften die letzten Lieder eher dem heimischen Markt entsprechen. 

 

Das Lied "Kommst Du mit ihr", das 2016 ausgekoppelt wurde, wäre aber sicher auch beim ESC spannend gewesen und hätte bestimmt einen letzten Platz verhindert.


Deutschland beim ESC

Seit dem ersten ESC 1956 ist Deutschland immer im Finale mit dabei gewesen und ist somit das Land mit den meisten Teilnahmen. Lediglich 1996 musste Deutschland aufgrund der schlechten Platzierung im Vorjahr durch eine Jury-Vorauswahl und wurde dort schließlich nicht ins Finale gesetzt.

 

Dem entgegen stehen bis heute 2 Siege (Nicole 1982 und Lena 2010), 4 zweite Plätze (1980, 1981, 1985 und 1987) und 5 dritte Plätze (1970, 1971, 1972, 1994 und 1999). Allerdings reichte es für Deutschland auch insgesamt 8 mal nur zur roten Laterne (zumindest mit der gleichen Punktzahl des jeweiligen letzten Platzes). Gerade die letzten 5 Jahre dürften hier als Debakel für den NDR gelten: 2 mal letzter Platz, 2 mal Vorletzter - nur Michael Schulte entriss sich 2018 mit einem 4. Platz dieser Reihe und zeigte, dass es auch anders geht, wenn man es denn richtig anpackt. 

 

Man kann nur hoffen, dass auch der NDR aus den letzten Jahren und den dazugehörigen, oft zurecht entstanden Shitstorms, gelernt hat.

 

Und sonst so?

In den deutschen Charts tummeln sich seit längerem hauptsächlich Deutsch-Hip-Hop und Rap, die Radiosender setzen meist auf amerikanische und britische Hits - wenn heimische Musik gespielt wird, ist dies meist dem seichterem Singer/Songwriter-Pop zugehörig.

Deutsche Musiker, die einen anderen musikalischen Weg einschlagen, haben es so oft sehr schwer ihr Publikum zu finden.

 

Aber es gibt sie - und ab und zu tauchen sie sogar beim deutschen Vorentscheid auf: Noch heute gelten "Blitzkids Mvt.", "La Brass Banda", "Mia.", "Marie Marie", "Laing", "Ryk", "Aly Ryan" und "Lilly among Clouds" als das beste, das wir je im Vorentscheid zu sehen bekamen.

 

Unsere Tipps, Hinweise und Hoffnungen für den ESC

Besonders, ungewöhnlich und einzigartig: Lilly among Clouds (3. Platz im deutschen Vorentscheid dieses Jahr), hier zu hören mit ihrem gerade erschienenem Lied "Look at the Earth", darf es gern nochmal probieren. 

Eine samtweiche Stimme mit modernen Sounds: Schon mit der 1. Single "Tonight" lässt der 22-jährige, sehr vielseitige Lie Ning aus Berlin aufhorchen und kann viele Kritiker von sich überzeugen. 

Au/Ra, die erst 17-jährige deutsch/antiguanische Singer-/Songwriterin auf den musikalischen Pfaden einer Billie Eilish - von ihr wird man in Zukunft sicher noch einiges hören.


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