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Vision 12: 3. Australien

AUSTRALIEN

PNAU feat. Kira Divine & Marques Toliver

"Solid Gold"

 

Elektropop aus Australien für Australien.

Mitte der 90er Jahre schlossen sich die Schulfreunde Nick Littlemore und Peter Mayes zusammen und folgten unter dem Namen Pnau der Acid-House- und Trance-Welle. Schon das 1999 recht dreist aus der eigenen Plattensammlung zusammen gesampelte Debütalbum "Sambanova" bringt Peter Mayes und Nick Littlemore Gold in Australien und ARIA Award – den australischen Grammy. Dass die Platte wegen nicht freigegebener Samples eine Woche vor der Verleihung komplett aus den Regalen genommen wurde, ist da ein zu verschmerzender Anfängerfehler. Stets positiv und feierwütig, Lichtjahre entfernt von hirnloser Ballermann-Strandbeschallung, liefern Pnau seither den Soundtrack für den Endless Summer. 

 

Erst 4 Jahre später erscheint der Nachfolger "Again" - die geringe musikalische Ausbeute kompensieren die beiden mit exzessiven und chaotischen Liveshows. So stehen manchmal sechs Musiker auf der Bühne, um die Dancetracks als Band zu performen, oder Nick tritt in einem riesigen Gummi-Arsch auf. Begeisterung beim Publikum, selbst Elton John zeigt sich beeindruckt und gibt bekannt das PNAU seine neue Lieblingsband seien. 9 Jahre später folgte sogar eine Zusammenarbeit für Elton Johns Album "Good Morning to the Night", in dem die Australier Elton-John-Songs samplen und neu abmischen. Es erreichte Platz eins der britischen Charts.

2007 erschien das Album "Pnau", die Auskopplung "Baby" wurde in Australien zum Hit.

 

Neben dem Projekt Pnau sind beide Musiker auch noch mit anderen Künstlern tätig. Nick Littlemore gründete beispielsweise mit dem Sänger Luke Steele das international erfolgreiche Popduo "Empire of the Sun". 2013 bedienten sich die beiden französischen DJs Faul & Wad Ad bei ihrer Hitsingle Baby und machten daraus mit einer Saxophon-Einlage den Song "Changes". Damit erreichten sie im Dezember 2013 in Deutschland sogar die Chartspitze. 

 

2017 schließlich veröffentlichten Pnau das Album "Changa" und erreichten mit den beiden Titeln "Chameleon" und "Go Bang" jeweils die Top 10 der australischen Charts. Spätestens jetzt sind Sie aus der australischen Musikszene nicht mehr wegzudenken.

Das minimalistische, fast künstlerische Musikvideo zu "Solid Gold".

Weather - together. Weather - forever... Nein, es scheint nicht wirklich wichtig, was die beiden PNAUs da ihren Gastsängern für einen Text singen lassen. Hauptsache es reimt sich und fügt sich so schmeichelnd sanft in den Klangteppich der beiden Elektropopper.

 

Musikalisch ist das aber feinster Pop und man möchte fast meinen, auch ein Stück der melodieverliebten "Empire of the Sun" herauszuhören, während der einsetzende Beat gemächlich stampfend "Solid Gold" seinen Rahmen vorgibt.

 

Gerade im Zusammenspiel mit dem minimalistischem Musikvideo, in der eine mit Goldblättern beklebte Tänzerin den stampfenden Rhythmus in ihren Bewegungen aufgreift und mit diversen Videofiltern kaleideskopartig durch das Video leitet, entwickelt "Solid Gold" einen Sog, der den Zuseher in den Bann ziehen kann. 


Pnau beim ESC?

PNAU bei den 2017 ARIA Awards (Eröffnung)

Liveauftritt des Hits "Go Bang".

Indie-Elektro-Disco-Pop jenseits des gern beim ESC genutzten Eurodance, hat es bisher nicht allzu leicht beim ESC. Die letzten DJ-Auftritte (z.B. Polen 2018 und Finnland 2019) schwächelten hauptsächlich an der Gesangsleistung der Gastmusiker und daran, dass DJs sich oftmals bei einem 3 Minuten-Auftritt nicht zu inszenieren wussten. 

 

Das es aber auch anders gehen könnte, zeigte in diesem Jahr schon der Auftritt des Duos "Electric Field" im australischen Vorentscheid, die mit einem catchy Elektrotitel und charismatischem Sänger trotz der frühen Startnummer 2 der Gewinnerin Kate Miller-Heidke gefährlich nahe kamen und sich derzeit als einer der ganz großen Siegfavoriten im Second Chance-Wettbewerb befindet. 

 

Und PNAU könnten dem sogar optisch noch einiges hinzupacken, lieben Sie es doch sich bunt und künstlerisch zu inszenieren. Mit gutem und eingängigem Lied dürfte ein Fanfavorit sicher sein - und sogar Jurys könnten sich beeindruckt zeigen.


AUSTRALIEN beim ESC

Die Geschichte Australiens beim Eurovision Song Contest ist kurz:

Seit 1974 wurde der Songcontest in Australien ausgestrahlt. Als dortiges Frühstücksprogramm entwickelte sich eine immer größer werdende Fan-Community, die schließlich 2014 darin mündete, dass die australische Sängerin Jessica Mauboy als Intervallact ausser Konkurenz im Finale auftreten durfte. Damit gab es kein zurück mehr - im Folgejahr erhielt der australische Sender zum 60. ESC-Jubiläum eine Einladung am Wettbewerb direkt teilzunehmen und wurde sogar direkt für das Finale gesetzt. Intern ausgewählt wurde der sympathische RnB-Sänger Guy Sebastian, der im Stil eines Bruno Mars mit seinem Beitrag "Tonight again" den 5. Platz belegte. Zwar hätte er eigentlich gewinnen müssen, damit Australien auch 2016 beim ESC teilnehmen konnte, aber schon im Mai 2015 gab Jan Ola Sand, Executive Supervisor des ESCs, auch Ländern außerhalb der European Broadcast Union die Teilnahme am Contest zu erlauben.

 

So ging 2016 die stimmgewaltige Dami Im mit der Ballade "Sound of Silence" an den Start und musste sich dank der meisten Punkte bei den Jurys nur knapp der Gewinnerin Jamala beugen und erreichte nach dem Gewinn ihres Halbfinales einen tollen 2. Platz. Überhaupt mögen die Jurys bisher die Beiträge aus Australien: 2017 konnte das Finale lediglich aufgrund hoher Jurywertungen erreicht werden, 2018 erreichte die wiederkehrende Jessica Mauboy dank der Jurys immerhin noch einen 20. Platz, nachdem sie vom Publikum lediglich 9 Punkte erhielt.

 

Das sollte 2019 anders werden und Australien wich von der internen Auswahl ab und suchte zum ersten mal in einem Vorentscheid nach seinem Vertreter. Es gewann Kate Miller-Heidke, die sich kurz danach einem Shitstrom ausgesetzt war. In Tel Aviv sorgte Sie allerdings schon rein optisch für Aufsehen, als Sie auf einer Stange mit 2 Backgroundtänzerinnen hin und her schwenkte, als würde Sie durchs Weltall fliegen. Der Lohn war der Gewinn ihres Halbfinales und am Ende ein guter 9. Platz, das auch vom Publikum mit 131 Punkten gewürdigt wurde.

Und sonst so?

Pop, Rock, Dance, RnB, Indie, Hip-Hop, Alternative, Electro - sogar Country und Metal: Die australischen Charts bilden einen guten Abgleich, was insgesamt in den westlichen Musikcharts gerade so erfolgreich ist, ohne dabei eine bestimmte Musikrichtung zu favorisieren. Auch einheimische und neuseeländische Musiker finden relativ leicht den Weg in die Charts und Airplays.

 

Auch die ehemaligen ESC-Teilnehmer finden sich regelmäßig in den heimischen Charts wieder: So sind aktuell beispielsweise Guy Sebastian ("Choir"), aber auch Jessica Maulboy ("Little Things") in den australischen iTunes-Top 10 zu finden.

Unsere Tipps, Hinweise und Hoffnungen für den ESC

Momentan der große Hit in Australien, schafft Tones & I nun auch den Weg in einige europäische Charts. Wenn auch anfangs die ungewöhnliche Stimme irritieren mag - "Dance Monkey" wird schnell zum Ohrwurm!

Weltweit stürmte "Youngblood" Ende letzten Jahres die Charts: von 5 Seconds of Summer wird man sicher noch einiges hören. Auch der nicht ganz so zwingende Nachfolger "Easier" entwickelt sich derzeit langsam schon wieder zum Hit.

Crooked Colors wirbeln den Indiepop auf: Im Februar 2017 veröffentlichte die Band den Titel "Flow" als Audio auf ihrem Youtube-Kanal und sammelt damit über 5 Millionen Aufrufe. "Do it like you" stammt aus ihrem neuen Album.


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