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RUSSLAND hat gewählt

Seit 1994 nimmt RUSSLAND am ESC teil.

Während die ersten Jahre noch etwas holprig begannen (1995 landete Filipp Kirkorow auf Platz 17, 1996 schied man in der Qualifikationsrunde als 26. aus, 1997 erreichte Alla Pugatschowa immerhin schon Platz 15), setzte Russland zwei Jahre aus und startete ab 2000 dann richtig durch.

Alsou erreichte einen ungefährdeten 2. Platz und ebnete den Weg für die stolze Bilanz von 11 Ergebnissen unter den ersten 10 zwischen 2000 und 2016. 2008 konnte Dima Bilan mit seinem wimmernden "Believe" sogar den Sieg holen.

 

Doch was waren grad die letzten Jahre aufregend:

Nicht nur das Russland seit der Einführung des Anti-Homosexuellengesetzes 2013 immer wieder dem Unmut vieler Eurovisionfans ausgesetzt ist, auch der Konflikt um die Krim mit der Ukraine blieb dem Song Contest nicht fern - obwohl die EBU immer wieder erklärt, dass Politik im Song Contest nichts zu suchen hat. Gerade dieser Konflikt beschäftigt insbesondere seit dem Jahr 2016.

Für Russland startete einer der erfolgreichsten Musiker des Landes Sergey Lazarev. Endlich wollte man wieder gewinnen und bot eine durchchoreographierte Show, die neue Maßstäbe setzen sollte. Projektionen, Tänzer, Tricks, Specialeffects - alles was ging wurde geboten. Und Sergey machte seine Sache auch gesanglich extrem gut, selbst als er die Projektionswand erklomm.

 

Und der Erzfein Ukraine? Die schickte ebenfalls eine der erfolgreichsten Sängerinnen des Landes - Jamala - mit einem musikalisch ungewöhnlichem und emotionalem Klagelied "1944", dass sich auf das Jahr 1944 bezieht, in dem der sowjetische Diktator Josef Stalin nach der Rückeroberung der Krim von der deutschen Wehrmacht die Krimtataren nach Zentralasien deportieren ließ. "1944" wird dabei allerdings nicht politisch (sonst wäre es vom Wettbewerb ausgeschlossen worden), sondern erzählt vielmehr vom Leid der Großeltern Jamalas aus dieser Zeit. 

 

Der Rest ist Geschichte - Jamala berührt Jury als auch Publikum so sehr, dass sie bei beiden Instanzen den 2. Platz erreicht. Sergey gewinnt zwar das Televoting, der Jury ist die Show und das qualitativ nicht sehr hochwertige "You are the only one" anscheinend zu dick aufgetragen und verhindert den Sieg Sergeys. Ein Schlag ins Gesicht der Russen. Auch im Folgejahr kommt es zu großen politischen Diskussionen um Russland, der Ukraine und die Krim, die schließlich dazu führt, dass die eigentlich ausgewählte Sängerin Julija Samoilowa nicht am Contest teilnehmen darf und Russland sich vom Wettbewerb 2017 zurückzieht. 

Musikvideo von "Scream"


Dementsprechend groß war die Aufregung, als bekanntgegeben wurde, dass Sergey Lazarev erneut für Russland am Eurovision Song Contest teilnehmen wird. Lange wurde ein Geheimnis um den Beitrag gemacht und schraubte so die Erwartungen der Fans in die Höhe, so dass Russland lange die Wettquoten anführte, ohne das überhaupt der Beitrag veröffentlicht war. 

In der Zwischenzeit stolperte zudem auch noch der Widersacher Ukraine über die eigenen Füße - die als Ersatz in die ukrainische Vorentscheidung integrierte Maruv (ihrerseits unter anderem auch in Russland sehr erfolgreich) gewann zwar diese, gab aber ein paar Tage später bekannt, dass sie sich aufgrund politisch motivierter Klauseln im Vertrag von ihrer Teilnahme zurückziehen werde. Die Ukraine fand keinen Ersatz und zog sich dieses Jahr komplett zurück.

 

Nun wurde "Scream" veröffentlicht, eine musicalhafte, sperrige aber atmosphärische Ballade, die viel Platz für eine eindrucksvolle Performance lässt. Erste Fanreaktionen fielen zwar gemischt aus (es wurde wohl etwas anderes erwartet), aber man darf wohl auf diesen Beitrag sehr gespannt sein.

 

 

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