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ISLAND hat gewählt

Die letzten vier Song Conteste blieb ISLAND immer im Halbfinale hängen, die Jahre zuvor lief es im Finale aber auch nicht rund, ein 15. Platz war das beste was ISLAND die letzten 10 Jahr erreichen konnte. Da mussten also Änderungen her:

 

Für 2019 lud der Fernsehsender auch erstmals erfolgreiche isländische Komponisten ein, ein Lied für den Vorentscheid zu schreiben. Ebenfalls gab es erstmal ein Songwriting Camp, wo interessierte isländische Liedschreiber dann extra Lieder für den Vorentscheid geschrieben haben. Zehn Teilnehmer wurden aufgeteilt in zwei Halbfinale, indem dann je fünf Teilnehmer auftraten.

In diesen mußten die Interpreten ihr Lied auf Isländisch vorstellen, wobei sich zwei von ihnen für das Finale platzieren konnten. Das Ergebnis der Halbfinale  wurde zur Hälfte per Juryvoting und zur Hälfte per Televoting bestimmt. Zusätzlich vergab RÚV noch eine Wildcard an Kristina Skoubo Bærendsen für das Finale.

Im Finale hatten die Interpreten dann freie Sprachwahl und es gab zwei Abstimmungsrunden. In der ersten Runde wurden zu 50 % per Televoting und zu 50 % per einer erstmals eingesetzten zehnköpfigen internationalen Jury zwei Lieder für das Super-Finale bestimmt. In der zweiten Runde bestimmten die Zuschauer dann die Platzierungen, wobei die Stimmen des Televotings aus der ersten Runde mit ins Endergebnis eingerechnet wurden.

 

Soweit die teils neuen Regularien. Doch viel wichtiger sind natürlich die Beiträge - und dort finden wir zwei ehemalige isländische Teilnehmer: 

Friðrik Ómar, die eine Hälfte des Popduos Euroband, das 2008 immerhin einen 14. Platz mit dem ESC-Partyhit "This is my life" erreichte und Hera Björk, die 2010 als großer Fanfavorit am Ende sich aber mit Platz 19 zufrieden geben musste - obwohl sie in ihrem Halbfinale noch einen tollen 3. Platz schaffte. Trotz der geballten Starpower dreht sich dieses Jahr aber alles um die Band Hatari, die mit ihrem lauten "Hatrið mun sigra" (Hass wird siegen) auf eine aufsehenerregende Lack- und Ledershow setzt und zudem den Contest in ein politisches Licht zu rücken versucht.

Liveauftritt von "Hatrið mun sigra" (Hass wird gewinnen)

Musikvideo von "Hatrið mun sigra"


Der dünnstimmige Hass hat gesiegt, die große Überraschung blieb aus.

Nachdem Hatari und Friðrik Ómar, ins Superfinale eingezogen sind (übrigens die beiden isländisch-sprachigen), setzte sich dort wenig überraschend auch Hatari durch. Somit erhält die Familienshow "Eurovision Song Contest" zehn Jahre nachdem Dita von Teese mit einer Peitsche im Mund und Mieder über der Hüfte für uns auf einem Ledersofa rumrutschte, nun eine ordentliche Portion Lack und Leder in Sadomaso-Verkleidung. Zumindest soweit die EBU es zulässt.

 

Ein Dorn im Auge der EBU dürfte auch das politische Statement sein, dass Hatari mit ihrem Auftritt setzen wollen. Im Mai letzten Jahres hatten viele Isländer eine Petition unterzeichnet, dass ihr Land angesichts der politischen Situation nicht an einem Eurovision Song Contest in Israel teilnehmen solle. Dies griff die kapitalismuskritische Band auf und erklärte schon im Vorfeld, sie werde ihren Auftritt zum Protest gegen die israelische Politik nutzen.

 

 

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