· 

Die Quoten vor dem 1. Halbfinale

Heute Abend steigt das 1. Halbfinale, schon gestern stimmten die Jurys ab.

Grund genug nochmal auf die Quoten zu schauen: Wer konnte sich durch die Proben in den Wetten nach oben schieben, wer lässt Federn und enttäuschte?

 

Die Top 5

Auch wenn die Proben der Niederlande einige Fans und Presse vor Ort etwas enttäuschten und keine bombastische Show geliefert wird (passt aber ja auch irgendwie nicht so recht zu "Arcade"), kann Duncan Laurence sich weiterhin mit Abstand auf den ersten Rang halten. Die Winningchance bröckelte ein paar Prozentpunkte ein (von 26% auf 23 %), zeitweise lag der Beitrag aber sogar bei 21 % und erholte sich in den letzten turbulenten Tagen. Trotz dem Piano im Gewand eines Keyboardes als einzigen Begleiter auf der Bühne, gelingt eine stimmige Probe und Auftritt, bei dem das Gefühl und die moderne Ballade im Mittelpunkt stehen. Von den Jurys dürften hier wohl viele Punkte kommen, aber auch das Publikum wird sicher zum Hörer greifen.

 

Dahinter folgt einer der großen Gewinner der Proben: Schweden.

Seit Beginn an lag John Lundvik in Lauerstellung um Platz 5 herum, mit dem Beginn der Proben stieg "Too late for love" aber stetig in den Quoten - und das obwohl nichts grundlegend neues in der Performance zu sehen sein wird, sondern sein Auftritt aus dem Mello lediglich verfeinert wurde. Mittlerweile hat er seine Winningchance schon verdoppelt und liegt derzeit bei 14 %. Eine gospelartige Hymne, die mit geeignetem Startplatz für die große Überraschung sorgen könnte.

 

Auf Platz 3 folgt eine große Überraschung und der Beweis, dass es sich lohnt ein passendes Staging zu erarbeiten: Bilal Hassani aus Frankreich.

Bei Fans und Bloggern etwas unterkühlt aufgenommen, konnte Bilal bisher auch in den Wetten nicht so recht überzeugen und hielt sich die meiste Zeit zwischen Platz 11 und Platz 15 bei 1-2 % Winningchance. Auch die Ankündigung eines umfangreichen Revamp und einer großen Show im Finale, konnte nur für leichten leichten Aufwind sorgen. Zu schwach schienen seine Sangeslüste und auch insgesamt der eher unscheinbar instrumentierte Titel "Roi". Um so erstaunlicher nun die überschwänglichen Liebesbekundungen vor Ort zum Staging und selbst zum Gesang, die schon zu einer Winningchance von mittlerweile 10 % führt. Liegt es daran, dass Frankreich es in diesem Jahr endlich mal schafft die Message des Songs für alle greifbar und visuell umzusetzen? 

 

Das Nachsehen hat momentan - und trotz gut aufgenommenen Staging - Russland.

Vor den Proben noch auf Platz 2 und 15 % Winningchance, wurde die Probe von Sergey Lazarev von den meisten Bloggern und Fans vor Ort sehr positiv aufgenommen. Und trotzdem wird der Niederlande, Schweden und Frankreich mittlerweile wohl eine bessere Chance zu gewinnen eingeräumt. Ist die Show mit den 9 Sergeys vielleicht nur optisch gelungen, emotional erreicht es das Publikum aber auch dieses mal nicht so ganz so? 

 

Auch auf Platz 5 finden wir eine - im wahrsten Sinne des Wortes - Überfliegerin der Proben: Australien. Und das dürfte nach der Vorgeschichte tatsächlich eine große Überraschung sein. Nach dem doch eher trashigem Auftritt im Vorentscheid, hatte Kate Miller Heidke auch damit zu kämpfen, dass viele Fans den zweitplatziertem Duo Electric Fields eher den Sieg gegönnt hatten. Schnell wurde nachgeschoben, dass der Auftritt in Tel Aviv ein anderer Auftritt als der beim Vorentscheid sein würde. Und so mancher erwartete eine reduziertere Show. Doch Pustekuchen: Kate schwingt sich in akrobatische Höhen und versemmelt dabei keinen einzigen Ton. Der Lohn ist ein toller 5. Platz in den Wettquoten (+ 11 Plätze), 7 % Winningchance (+ 6%) und große Begeisterung vor Ort. Da dürfte dem Finaleinzug heute Abend eigentlich nichts mehr im Wege stehen. 

 


Interessantes unter den besten 20

Nach der ersten Probe von Aserbaidschan, schien Chingiz der große Gewinner der Proben zu sein und schnellte in den Wetten von Platz 13 bis auf Platz 4. Nicht nur der Gesang, auch das Staging samt Roboterarmen am pulsierendem Herzen des Sängers ließen sogar den Auftritt des Russen erblaßen und das moderne - aber irgendwie doch ein bisschen flat wirkenden "Truth" erstrahlen (Winningchance jetzt ebenfalls bei 7%). Perfektes Staging, guter Gesang, ein sexy Lächeln, schon könnten die Punkte für Aserbaidschan fließen. Und sollte es doch knapp werden, zieht ja vielleicht der zeigefreudige 28-jährige zielorientiert blank und sorgt noch für ein paar Extrapunkte. Wir werden es sehen...

 

Die Schweiz und Italien lassen bei diesen 3 Probengewinnern ein paar Federn (beide nur noch bei 4% Winningchance) und gerade die Schweiz scheint ihr Pulver dabei nun etwas verschossen zu haben. Luca tanzt energisch und singt dabei auch recht in Ordnung - das ist alles gut choreographiert und schaut vernünftig aus, ist aber auch nichts was man nicht schonmal gesehen oder gehört hat. Finale sollte aber möglich sein, aber ob es da für einen vorderen Platz reicht bleibt abzuwarten. Der Italiener Mahmood hatte mit Krankheit zu kämpfen und auch der Auftritt ist keine riesen Show, sein Titel "Soldi" ist aber immerhin modern und für den ESC ungewöhnlich und sollte daher schon einige Punkte bekommen können.  

 

 

Die Proben für Malta (schon seit Mitte März unentwegt unter den besten 10 in den Wetten) haben sich weder besonders positiv noch negativ ausgewirkt, Island steht mittlerweile "nur" noch auf Rang 10, hat aber die Möglichkeit heute im Halbfinale für Furore zu sorgen und wieder Plätze gut zu machen (vorher Platz 6 mit 5% Winningchance).

 

Dahinter folgen Griechenland und Zypern mit guten Auftritten, wobei letztgenannte 5 Plätze einbüßt und heute von Startplatz 1 dafür kämpfen muss das Finale zu erreichen. Nord Mazedonien scheint vor einer großen Überraschung zu stehen und klettert auch mit den Proben langsam und stetig immer weiter nach oben. Spanien hält auch mit seiner Hausparty zu "La Venda" einen guten 14. Platz in den Wetten, während sich Norwegen nur noch auf Platz 15 wiederfindet und die Frage aufwirft, ob das Publikum für "Spirit in the Sky" genug voten wird, damit das Finale erreicht werden kann. Der Liebling der Jurys wird der Beitrag wahrscheinlich nicht sein.

 

Während Tschechien sich nach guten Proben 3 Plätze vorkämpfen kann verliert das sehr zurückgenommene Slowenien 2 Plätze. Hier wird der heutige Abend also sehr spannend werden, wenn das allgemeine Publikum diese beiden Auftritte zu sehen bekommt.

Am Donnerstag ist der zuckersüße Auftritt von Dänemark zu sehen, der nahezu 1:1 dem der Vorentscheidung entspricht und sich derzeit wieder auf Platz 18 vorschiebt. Da weiß man was man bekommt - für die einen so süß wie Kätzchen die Zuckersirup schlecken, für die anderen so schlimm, als würden Kätzchen im Zuckersirup ertrinken.

Dahinter trifft einer der großen Probenverlierer auf eine Probengewinnerin: Portugal kämpft mit seiner ungewöhnlichen Performance und dem sperrigen "Telemoveís" mit seinen Proben und dem ausrichtenden Sender (hatte aber gestern im für sie so wichtigem Juryfinale den ersten guten Auftritt), während sich Serbien durch ein tolles Staging rechtzeitig zum 1. Halbfinale unter die besten 20 schiebt (vor den Proben noch Platz 29). Beide dürften mächtig kämpfen und das Finale zu erreichen.

 

Die hinteren Plätze - wird Es noch ein "Dark Horse" geben?

Armenien verliert seit Wochen immer mehr an Plätzen, das haben auch die Proben nicht verändert und so bleibt kurz vor dem 1. Halbfinale nur noch ein Platz 21 und nur noch ein knapper Finaleinzug. 

 

Dahinter folgen keine großen Ausreißer mehr, wenn man einmal davon absieht, dass Finnland recht dramatisch an Boden verliert (nur noch Platz 35) und wohl kaum noch jemand "Look away" das Finale zutraut. Ein paar Plätze durch die Proben verloren haben ebenso Belgien (24.), Israel (26.), Irland (30.), Kroatien (trotz goldenen Engelflügeln nur noch Platz 34), Litauen (39.) und Lettland (40.). Dementgegen stehen Ungarn (27.), Polen (29.), Rumänien (31.), Weissrussland (32.), Österreich (33.), Moldau (mit Sandmalerei einen Platz verbessert auf Platz 36) und Georgien (37.), die zumindest einzelne Plätze gut machen konnten. 

Ein richtiges "Dark Horse" traue ich hier aber niemandem zu, einem überraschenden Finaleinzug am ehesten Georgien (Otos Auftritt besitzt tolle Grafiken und gewinnt zur Zeit den ein oder anderen Fan hinzu), Rumänien (eigentlich ein relativ sicherer Finalkandidat und mit dem Vampirähnlichen Auftritt hat es vielleicht den ein oder anderen Fan), Polen und evtl. Österreich. 

 

Wie steht es mit unserem Beitrag aus Deutschland

Da scheinen wir in diesem Jahr stark sein zu müssen, die erhoffte schöne Inszenierung ist nicht vorhanden und viele Fans und Presse vor Ort prognostizieren die ersten "0 Punkte" seit dem neuen Votingverfahren und sind oftmals sprachlos, wenn Sie "unseren" Beitrag besprechen. "Schuld" daran scheinen weder Carlotta noch Laura, die stimmlich sehr gut sind, noch die relativ schlechte Meinung vieler einheimischer Fans. Selbst wohlgesonnene Beobachter der S!sters kritisieren absolute Ideenlosigkeit beim Staging, schlechte Kameraeinstellungen und sehen eigentlich keinerlei Chance auf die besten 20. Da hilft es natürlich auch nicht, dass Deutschland erneut einen Startplatz in der vorderen Hälfte gezogen hat... Aber wenn wir Herrn Schreiber glauben, hat das ja keinen Einfluss auf das Endergebnis.